Ostern
Ostern
Eier färben, Schokohasen kaufen, Nester verstecken, suchen, der erste Frühlingsspaziergang. All das gehört irgendwie zu Ostern. Aber kaum jemand weiß noch, dass Ostern das größte aller christlichen Feste ist. Die Kirche nennt es das „Fest der Feste“. Es überstrahlt alle anderen Feste, auch Weihnachten, wie die Sonne die Sterne überstrahlt. Warum? Weil an Ostern nicht nur ein Kind geboren wurde, sondern der Tod selbst gestorben ist.
Noch liegt der Tau der Nacht auf den Olivenzweigen, als Maria von Magdala zum Grab eilt. Sie sucht einen Leichnam und findet einen umgestürzten Stein. Ein Engel, leuchtend wie ein Blitz, sagt das Unfassbare:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist auferstanden! Lukas 24,5-6
Maria sucht am Grab einen Toten. Genau dort setzt Ostern an: Der Mensch rechnet mit dem Ende, Gott aber schafft einen Anfang. Der Stein ist weg, das Grab ist leer, und der Engel lenkt den Blick weg vom Ort des Todes hin zu dem, der lebt. Jesus ist nicht Vergangenheit, die man bewahrt. Er ist der Lebendige. Und seit Ostern steht über keinem Grab mehr das letzte Wort.
Gott wollte den ganzen Weg des Menschen gehen, bis zum bitteren Ende. Er hing am Kreuz, er lag wirklich im Grab. Der Karsamstag war die große Stille, in der Gott den Tod gekostet hat (Hebr 2,9). Christus ist nicht am Leiden vorbeigegangen, sondern durch Kreuz, Grab und die ganze Finsternis des Todes hindurch. Gerade darum ist Ostern nicht ein schönes Nachwort, sondern der Sieg Gottes über das, was uns von innen her gefangen hält.
Das leere Grab könnte man wegdiskutieren. Die Erscheinungen als Halluzinationen abtun. Aber Petrus verankert den Osterbeweis anders:
Wir haben mit ihm gegessen und getrunken, nachdem er von den Toten auferstanden war. Apostelgeschichte 10,41
Realer geht es nicht. Christlicher Glaube ist deshalb von Anfang an antignostisch: Materie ist nicht Müll, sondern Berufungsort der Herrlichkeit. Die Auferstehung adelt den Körper, deinen Körper, macht ihn hoffnungsträchtig bis in die Zellen.
Paulus spitzt es zu:
Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unser Glaube sinnlos. 1 Korinther 15,14
Ostern entscheidet alles. Wenn Christus lebt, ist der Tod entthront und die Herrschaft der Angst zerbricht. Christen dürfen begraben, ohne zu resignieren; leiden, ohne zu verzweifeln; verlieren, ohne unterzugehen. Darum sind die Märtyrer nicht einfach Menschen, die den Tod freiwillig suchen, sondern Menschen, die wussten, dass sie nicht hier ihre bleibende Stadt haben (Hebr 13,14).
Widersagst du dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können? Ich widersage. Glaubst du an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde? Ich glaube. Glaubst du an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der gelitten hat und begraben wurde, von den Toten auferstand und zur Rechten des Vaters sitzt? Ich glaube. Taufversprechen der Osternacht
In der Osternacht erneuern wir unser Taufversprechen. Dreimal sagen wir laut: Ich widersage, dem Bösen, den Verlockungen, dem Satan. Und dreimal rufen wir: Ich glaube, an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Das ist dein persönlicher Ostermorgen. Da wurde dein alter Adam beerdigt und dein neues Ich durfte auferstehen (Kol 3,1-3). Der Priester besprengt uns mit Osterwasser, ein Schauer der Erinnerung: Du bist neu geschaffen.
Aber Gott ist ein Gentleman. Er drängt sich nicht auf. Du kannst diese Botschaft hören und denken: Schön für die anderen. Du kannst Ostern auf Eiersuche und Frühlingsputz reduzieren. Aber dann bleibt Ostern oberflächlich. Wenn du jedoch in deinem Herzen zulässt, dass dieser Riss in der Realität aufgeht, der Riss, durch den unendliches Leben strömt, dann verändert sich alles. Die alte Angst vor dem Tod zerbricht. Der Tod ist nicht mehr der letzte Feind, sondern der überwundene Feind (1 Kor 15,26).
Darum sprechen die Kirchenväter vom achten Tag. Die Schöpfungswoche ist vollendet. Mit der Auferstehung beginnt nicht einfach wieder der alte Lauf der Dinge, sondern die Neuschöpfung. Die Ewigkeit bricht in die Zeit ein. Ostern ist nicht nur Trost nach dem Karfreitag. Ostern ist der Anfang einer neuen Welt.
Der heilige Johannes Chrysostomus ruft es uns zu:
O Tod, wo ist dein Stachel? O Hölle, wo ist dein Sieg? Christus ist auferstanden, und du bist zu Fall gebracht. Christus ist auferstanden, und die Dämonen sind gefallen. Christus ist auferstanden, und das Leben herrscht. Nach der Osterpredigt des hl. Johannes Chrysostomus
Die Kerze brennt, das Gloria donnert, das „Halleluja“ kehrt nach vierzig Tagen Schweigen zurück. Doch das eigentliche Ziel des Festes ist nicht ein sentimentales Hochgefühl, sondern eine Auferstehungs-Mentalität:
- Mut, wo Angst dominiert.
- Vergebung, wo Rechnung offen ist.
- Lobpreis, wo Klagekultur herrscht.
Die österliche Botschaft Jesu, der den letzten Feind, den Tod, besiegt hat, macht uns frei zum Handeln: keine lähmende Angst vor dem Tod. Auch wenn wir das Leid dieser Welt sehen, behalten wir die Hoffnung, dass Gott auch durch uns Gutes in diese Welt ruft. Unsere Seele antwortet mit einem radikalen Ja zum Leben, dem Leid zum Trotz. So geben wir unser Leben ganz Gott hin, folgen Christus nach und lassen im Herzen die Worte des Herrn widerhallen: Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.
Am Ende der Messe heißt es: Ite, missa est - Geht, ihr seid gesandt. Der Engel sagte zu den Frauen: Geht und verkündet! (Mt 28,7). Das Evangelium ist ein Lauffeuer, kein stilles Kerzenlicht. Christus tritt durch verschlossene Türen und ruft auch dir zu: Friede sei mit euch! (Joh 20,19).
Nimm diesen Ruf mit in deinen Alltag. Wenn du unsicher bist, wenn Angst dich lähmt, lass es in dir widerhallen:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Lukas 24,34
Er lebt. Und deshalb wirst auch du leben.
Osterzitate
Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wohin man ihn gelegt hat. Markus 16,6
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Lukas 24,34
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat. Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Jesus Christus hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt. Apostelgeschichte 10,34a.37-43
Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit ihr glaubt. Johannes 19,35
Vom Aschermittwoch: Vom Staub sind wir gekommen, zu Staub werden wir. Zu Ostern: Vom Staub sind wir gekommen, verherrlicht werden wir, unser Leib geht in die Unvergänglichkeit. Der Tod ist tot. Ostergedanke
Die Person des „Lebendigen“ kann sagen: „Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit“ Offenbarung 1,18
Damit „die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören ... und alle, die sie hören, leben" Johannes 5,25
Jesus, der „Urheber des Lebens“, ist gekommen, „um den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren“ Hebräer 2,14-15; vgl. KKK 635
„Im Himmel, auf der Erde und unter der Erde“ beugen alle „ihre Knie vor dem Namen Jesu“ Philipper 2,10
Christus ist Sieger! Christus ist König! Christus ist Herr! Jetzt und in Ewigkeit! Amen! Osterakklamation