27.09.2026 26. Sonntag im Jahreskreis

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Bibelstellen

Der zweite Sohn sagt „Herr“ und bleibt sitzen; Paulus zeigt, dass zu diesem Wort ein Weg gehört: der Weg Jesu, der demütig gehorcht hat bis ans Kreuz.

  • Ezechiel 18,25–28: Israel sagt: Gottes Weg ist nicht richtig. Gott antwortet: Nicht mein Weg ist falsch, sondern eurer. Wer umkehrt, wird leben.
  • Psalm 25 (24),4–5.6–7.8–9: Der Beter tut nicht so, als wüsste er schon alles, sondern bittet: „Zeige mir, Herr, deine Wege.“ Gott lehrt die Demütigen seinen Weg.
  • Philipper 2,1–11: Christus hält nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern erniedrigt sich und wird gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Darum bekennt jeder Mund: Jesus Christus ist der Herr.
  • Matthäus 21,28–32: Der erste Sohn sagt „Ich will nicht“, bereut es später und geht in den Weinberg. Der zweite sagt „Ja, Herr“ und geht nicht. Zöllner und Dirnen gelangen eher ins Reich Gottes als die Hohenpriester.

„Ja, Herr“ – und sitzen bleiben

Der zweite Sohn antwortet im Griechischen nur mit zwei Wörtern: „Ich, Herr!“ Er ist höflich und sagt Herr zum Vater – der erste Sohn nicht. Das kennen wir aus der Bergpredigt: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut“ (Mt 7,21). Heute fragt Jesus fast wortgleich: „Wer von den beiden hat den Willen des Vaters getan?“ Der zweite Sohn ist genau dieser Herr-Herr-Sager.

Was heißt eigentlich Herr? Paulus sagt es im Philipperbrief: Jesus hält nicht daran fest, Gott gleich zu sein. Er wird Knecht und gehorcht bis zum Tod am Kreuz. Darum bekennt jeder Mund: Jesus Christus ist der Herr. „Herr“ ist also kein höflicher Titel. Herr ist der, der gehorsam den ganzen Weg gegangen ist. Wer „Herr“ zu ihm sagt und sitzen bleibt, widerspricht seinem eigenen Wort.

Warum geht der zweite Sohn nicht? Weil er meint, er sei schon auf der richtigen Seite. Das ist Hochmut: Man hält sich für gut und lässt sich nichts mehr sagen. Genauso reden die Leute bei Ezechiel: Lieber sagen sie „Gottes Weg ist falsch“, als ihren eigenen Weg zu prüfen. Und so handeln die Hohenpriester: Sie kennen die Schrift gut, aber sie drehen sich alles so hin, dass sie selbst recht behalten. Bei der Frage nach Johannes überlegen sie nur, welche Antwort ihnen nützt (Mt 21,25–27).

Der erste Sohn ist nicht besser, weil er zuerst Nein sagt, sondern weil er sich korrigieren lässt. Das ist Demut. Jesus zeigt in Getsemani, wie das geht: Er sagt dem Vater ehrlich, dass er den Kelch lieber nicht trinken würde, und dann: „Dein Wille geschehe“ (Mt 26,39.42). Oft verstehen wir Gottes Willen nicht vorher. Wir fangen an zu gehorchen und verstehen beim Tun. Der Psalm sagt: „Die Demütigen lehrt er seinen Weg“, und Jesus: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt“ (Joh 7,17). Darum kommen Zöllner und Dirnen eher ins Reich Gottes als die, die nur „Ja, Herr“ sagen. Wer „Herr“ sagt, geht mit dem, der gegangen ist.

Deine Woche konkret

  1. Liturgisch:
    Denk beim „Herr, erbarme dich“ am Anfang der Messe an ein Ja, das du Gott gegeben und nicht gehalten hast.
  2. Im Gebet:
    Bring Gott eine Sache, bei der du weißt, was er will, aber es nicht willst. Sag ihm ehrlich „Ich will nicht“, dann „Dein Wille geschehe“ – und fang damit an, auch wenn du es noch nicht ganz verstehst.
  3. Im Alltag:
    Wenn dich diese Woche jemand kritisiert oder korrigiert: Verteidige dich nicht sofort, sondern frag dich zuerst, ob er recht hat.