In der Auseinandersetzung mit dem Islam wird häufig versucht, dessen Wahrheitsanspruch von außen zu widerlegen. Weitaus wirkungsvoller ist jedoch ein anderer Ansatz: Man nimmt den Koran beim Wort, akzeptiert seine eigenen Maßstäbe – und zeigt, dass sie den Islam von innen heraus in einen unauflösbaren Widerspruch führen.
Dieses Argument ist kein äußerer Angriff, sondern eine Reductio ad absurdum: Wenn die Voraussetzungen des Islams wahr sind, folgt daraus ein Ergebnis, das mit dem Islam selbst unvereinbar ist.
Der Koran erklärt unmissverständlich:
„Sagt: Wir glauben an Allah und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen herabgesandt wurde, und an das, was Mose und Jesus gegeben wurde. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen.“
(Sure 2:136)
Diese Aussage ist eindeutig:
Muslime sollen glauben an das, was zu Muhammad offenbart wurde
und zugleich an das, was Mose und Jesus gegeben wurde
ausdrücklich heißt es: „Wir machen keinen Unterschied“
Diese Forderung wird wiederholt:
„Der Gesandte glaubt an das, was zu ihm von seinem Herrn herabgesandt wurde, und ebenso die Gläubigen. Sie alle glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten. Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten.“
(Sure 2:285)
Auffällig ist hier:
„Seine Bücher“ steht im Plural
Der Glaube gilt nicht nur dem Koran, sondern allen göttlichen Schriften
Der Koran erklärt ausdrücklich:
„Und Wir gaben bereits Mose und Aaron die Unterscheidung, ein Licht und eine Ermahnung (Zikr) für die Gottesfürchtigen.“
(Sure 21:48)
Mose erhielt also den Zikr.
Nun heißt es weiter:
„Und Wir haben bereits im Psalter nach der Ermahnung (Zikr) geschrieben: Das Land werden Meine rechtschaffenen Diener erben.“
(Sure 21:105)
Die logische Folge ist zwingend:
Der Zikr existierte vor den Psalmen
Mose erhielt diesen Zikr
Der Koran kam erst im 7. Jahrhundert
👉 Der Zikr kann daher nicht der Koran sein, sondern bezieht sich auf frühere Offenbarungen – insbesondere die Tora.
Der Koran geht noch weiter:
„Und Wir sandten vor dir nur Männer, denen Wir Offenbarung gaben. So fragt die Leute der Ermahnung (Ahl adh-Dhikr), wenn ihr nicht wisst.“
(Sure 21:7)
Und noch deutlicher:
„Wenn du im Zweifel bist über das, was Wir zu dir herabgesandt haben, dann frage jene, die das Buch vor dir gelesen haben.“
(Sure 10:94)
Das ist theologisch brisant:
Muhammad soll seine Offenbarung durch Juden und Christen verifizieren
Das setzt voraus, dass ihre Schriften zuverlässig sind
Der Koran sagt:
„Wir sandten die Tora herab, in der Rechtleitung und Licht sind.“
(Sure 5:44)
„Und Wir ließen Jesus, den Sohn Marias, folgen, bestätigend, was vor ihm in der Tora war. Und Wir gaben ihm das Evangelium, in dem Rechtleitung und Licht sind.“
(Sure 5:46)
Und weiter:
„Und Wir haben dir das Buch in Wahrheit herabgesandt, bestätigend, was von der Schrift vor ihm da war, und als Wächter (muhaymin) darüber.“
(Sure 5:48)
Ein Wächter über etwas setzt dessen Existenz und Integrität voraus.
👉 Der Koran bestätigt die früheren Schriften – er erklärt sie nicht für verfälscht.
Hier entsteht das entscheidende Dilemma:
Der Koran ist bewahrt – so glauben Muslime.
Der Koran fordert den Glauben an alle Bücher Gottes.
Der Koran bestätigt Tora und Evangelium als Offenbarungen Gottes.
Wenn der Koran wahr ist, dann sind auch Bibel und Evangelium wahr.
Wenn Bibel und Evangelium wahr sind, dann ist der Islam falsch, weil sie seinen Kernlehren widersprechen.
Wenn man sagt, die Bibel sei verfälscht, widerspricht man dem Koran, der sie bestätigt und Gottes Wort als unveränderlich darstellt.
👉 Also:
Akzeptiert man den Koran → Islam wird widerlegt.
Lehnt man Bibel und Evangelium ab → Koran wird widerlegt.
Es gibt keinen dritten Ausweg.
Der Koran behauptet:
„Ich werde diejenigen, die dir folgen, über die Ungläubigen stellen bis zum Tag der Auferstehung.“
(Sure 3:55)
„So wurden die, die glaubten, über ihre Feinde siegreich.“
(Sure 61:14)
Der Tag der Auferstehung ist noch nicht gekommen.
👉 Jesu Nachfolger müssten auch heute noch sichtbar bestehen und überlegen sein.
Die Christen der ersten Jahrhunderte:
glaubten an Jesu Kreuzigung, Auferstehung und Gottheit
feierten die Eucharistie
ehrten Heilige und Märtyrer
erkannten kirchliche Hierarchie und Konzilien an
Sie waren keine Muslime.
Islam existierte erst 600 Jahre später.
Die einzige christliche Gemeinschaft, die:
historisch durchgängig existiert,
weltweit präsent ist,
und die Glaubenspraxis der frühen Kirche fortführt,
ist die katholische Kirche.
Ökumenische Konzilien bestätigen dies, etwa Ephesus (431) und Chalcedon (451), die ausdrücklich die Vorrangstellung des römischen Bischofs anerkennen.
👉 Protestantismus existierte nicht vor dem 16. Jahrhundert.
👉 Orthodoxie ist weder historisch noch gegenwärtig „dominant“.
Ein historisch gebildeter Muslim würde diese Einwände sofort gegen Protestanten verwenden.
Das Argument lautet nicht:
„Der Islam beweist das Christentum.“
Sondern:
Wenn man den Koran als Maßstab akzeptiert, zerstört er den Islam von innen heraus.
Das ist ein klassisches Reductio-ad-absurdum-Argument:
Man akzeptiert die Prämissen – und zeigt, dass sie zu einem unmöglichen Ergebnis führen.
Ob man Christ ist oder nicht:
Der Koran ist entweder falsch – oder er bestätigt etwas, das den Islam widerlegt.
In beiden Fällen kann der Islam seinen eigenen Wahrheitsanspruch nicht konsistent aufrechterhalten.
„Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich, mit Salz gewürzt.“
(Kolosser 4,5–6)